16. Dezember 2019

Englischer Humor

von michael

Wie ein Schweizer Aufzugsmonteur zum Börsenmakler wurde

Klaus Ackermann war ein zuverlässiger Liftmonteur, der im Zentrum von London alle Aufzüge betreute, einer renommierten Schweizer Firma, die als Marktleader weltweit einen guten Namen hat. Klaus liebte das Leben und den Luxus in der englischen Metropole. Was ihm weniger gefiel, war die geringe Wertschätzung, die man seiner Tätigkeit entgegenbrachte. Der überzeugte Handwerker, müsste kein Schweizer sein, wenn er sich nicht einiges Tages sagte: " So da muss sich etwas ändern, an dieser Situation, aber wie? "

Aus seinem Hotel der Mittelklasse beobachtete er jeden Morgen missmutig und bei kargem Frühstück, wie das Leben im Finanzviertel vor sich ging. Typisch und "very British" bewegten sich jeden Morgen, dutzende und gut gekleidete Engländer vom 5-Stern Börsenhotel in das nebenangelegene Frühstücksrestaurant und Ackermann beobachtete die Szenerie über einen längeren Zeitraum, bevor er handelte.

Mit Schirm, Charme und Melone, in einen langen, dunklen Mantel gekleidet, die TIMES unter die Arme geklemmt, mischte sich Klaus unter die Börsenmakler, betrat den ehrwürdigen, barocken "Breakfast-Palast", wo ihm anstandslos ein freier Tisch zugewiesen wurde. Platz genug, um bei ausgebreiteter Zeitung die Finanzdaten studieren zu können. Ausserdem profitierte unser gewitztes Schweizer Bürschlein von einem Service der Extraklasse und wurde bedient wie ein englischer Adliger! Allein das Frühstück, mit allen erdenklichen Köstlichkeiten, liess ihn fast sein wahres Vorhaben vergessen! Unkompliziert, eben "very British", stand der Schweizer Gast auf, man notierte seine Zimmernummer und er begab sich in die faszinierende Börsenwelt, wo er sich in kürzester Zeit den notwendigen Wissensstand aneignete....!

Nach ca. zwei Wochen, sass Ackermann wieder nichtsahnend beim Frühstück, als der Ober ihn höflich darauf aufmerksam machte, dass mit seiner  Hotelrechnung etwas nicht stimme. Man merkte, dass der gewiefte Schweizer Handwerker eine falsch, nicht existierende Zimmernummer angegeben hatte. Der Schwindel flog also auf und Klaus Ackermann fand sich im Büro des Hotelbesitzers wieder. Das Schlimmste befürchtend, nahm Klaus schuldbewusst und reumütig vis a vis vom Chef Platz. Wiederum höflich und "very British" hörte sich der, sichtlich belustigte, Direktor die ganze Geschichte von Klaus an. Am Ende der langen Erklärung brach er in schallendes Gelächter aus und sagte:  "Wisse Sie was? So ein Meisterstück ist noch nie einem meiner vielen Gäste gelungen und erlösend fügte er nach einer Weile hinzu - vergessen wir die ganze Geschichte, eine solche Cleverness und Raffinesse muss schlussendlich auch mal belohnt werden - und Sie sind damit vollkommen entlastet und ich ziehe den Hut vor Ihnen !"

Klaus Ackermann war sichtlich erleichtert und ist seitdem Hotelstammgast und mittlerweile ein anerkannter, "very britisher" Börsenmakler ... !!!

 

  Michael Schillmeier, Oberhelfenschwil, 13. 12. 2019

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