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Das Smartphone ab 65: Schritt für Schritt zum Segen

Ein Smartphone muss man nicht lieben, man muss es nur einrichten. Mit grösserer Schrift, ein paar Sicherheitsregeln und einem guten Kurs wird es zum Fotoalbum, Fahrplan und Draht zur Familie.

Von Margrit Achermann geprüft
Aktualisiert am 19. Oktober 2026

Das Wesentliche

Inhalt dieser Seite
  1. Welches Gerät passt zu Ihnen?
  2. Die ersten Einstellungen, Schritt für Schritt
  3. Sicher bleiben: Code, Updates und falsche SMS
  4. Wo man es in der Schweiz lernt
  5. Enkel, Fotos und der erste Videoanruf
  6. Und wenn das Herz auch mitreden will
  7. Was Leserinnen und Leser fragen

Das Smartphone ist weder Segen noch Plage, es ist ein Werkzeug, das zuerst auf Sie eingestellt werden will. Ab Werk ist es für Dreissigjährige mit scharfen Augen gemacht: kleine Schrift, viele Symbole, schnelle Bildschirmsperre. Zwanzig Minuten in den Einstellungen ändern das gründlich, und danach macht das Telefon vieles leichter, vom Billett bis zum Foto der Grosskinder.

Hier finden Sie alles in der Reihenfolge, in der Sie es brauchen: zuerst das passende Gerät, dann die ersten Einstellungen Schritt für Schritt, danach Sicherheit, Kurse in der Schweiz und die Familie. Welche Apps sich danach lohnen, steht in einem eigenen Beitrag über die besten Apps für Rentner, darum wiederhole ich sie hier nicht.

Welches Gerät passt zu Ihnen?

Bildschirm, Akku und Gewicht

Je grösser der Bildschirm, desto grösser kann die Schrift sein, ohne dass man ständig scrollen muss. Ein Bildschirm um 6,5 Zoll ist ein guter Kompromiss: gross genug zum Lesen, noch klein genug für die Jackentasche. Nehmen Sie das Gerät im Laden in die Hand. Ein sehr grosses Telefon ist schwer und rutscht beim Telefonieren gern aus den Fingern. Fragen Sie auch nach der Akkulaufzeit: Ein Gerät, das einen ganzen Wandertag durchhält, erspart viel Sucherei nach dem Ladekabel.

Älteres Paar richtet gemeinsam das Smartphone ein

Seniorenhandy oder normales Smartphone?

Seniorenhandys haben grosse Tasten, eine laute Klingel und oft eine Notruftaste auf der Rückseite, die mehrere vorher gespeicherte Nummern anruft. Für jemanden, der nur telefonieren und erreichbar sein will, ist das ideal. Ein Klapphandy mit Tasten kann allerdings meist kein WhatsApp und keine SBB-App, und genau dort spielt sich heute ein Grossteil des Familienlebens ab.

Dazwischen gibt es Senioren-Smartphones mit vereinfachter Oberfläche. Sie sind eine gute Lösung für alle, die sich nicht durch viele Menüs klicken möchten. Ein normales Smartphone kann aber fast dasselbe, wenn man den vereinfachten Modus einschaltet (dazu unten mehr), und Sie bekommen bei Familie und Kursen leichter Hilfe, weil alle das gleiche System kennen.

iPhone oder Android?

Beide funktionieren gut. Das iPhone ist überall gleich aufgebaut und bekommt lange Updates, ist aber teurer. Android-Telefone gibt es in jeder Preisklasse, die Menüs sehen je nach Hersteller etwas anders aus. Mein ehrlicher Rat: Nehmen Sie das System, das Ihre Kinder oder Grosskinder benutzen. Dann kann Ihnen jemand am Sonntagstisch helfen, ohne erst selbst suchen zu müssen.

Mit oder ohne Abo?

Ein Telefon muss nicht zusammen mit einem Abo gekauft werden. Viele kaufen das Gerät im Laden und wählen dazu ein günstiges Abo oder Prepaid. Wer wenig surft, kommt mit Prepaid oft gut aus. Lassen Sie sich im Laden zeigen, wie viel Datenvolumen für Videoanrufe mit der Familie nötig ist, damit am Monatsende keine Überraschung kommt. Wer ein Hörgerät trägt, fragt ausserdem, ob sich das Telefon per Bluetooth mit dem Hörgerät verbinden lässt.

Die ersten Einstellungen, Schritt für Schritt

Die Namen der Menüs unterscheiden sich leicht. Beim iPhone finden Sie fast alles unter «Einstellungen» und dort unter «Bedienungshilfen», bei Android unter «Einstellungen» und «Bedienungshilfen» oder «Barrierefreiheit». Nehmen Sie sich eine ruhige Stunde, eine Tasse Kaffee und, wenn möglich, eine geduldige Person dazu.

  1. Schrift vergrössern. Unter «Anzeige» oder «Textgrösse» den Regler nach rechts schieben, bis Sie ohne Brille lesen können. Fettschrift einschalten macht Buchstaben zusätzlich klarer.
  2. Zoom und Lupe einschalten. Mit der Zoom-Funktion vergrössern Sie jeden Bildschirmausschnitt. Die Lupe macht aus der Kamera ein Vergrösserungsglas für Beipackzettel und Speisekarten.
  3. Einfachen Modus wählen. Viele Android-Telefone haben einen «Einfachen Modus» mit grösseren Symbolen und weniger Apps auf dem Startbildschirm. Beim iPhone heisst das «Unterstützter Zugriff»: Dort wählen Sie aus, welche wenigen Apps sichtbar bleiben, etwa Telefon, Nachrichten, Fotos und Kamera.
  4. Kontrast erhöhen. Unter «Anzeige» oder «Farbe und Kontrast» lässt sich der Kontrast verstärken. Manche lesen im Dunkelmodus (heller Text auf dunklem Grund) entspannter, probieren Sie beides.
  5. Klingelton und Vibration. Einen lauten, gut erkennbaren Klingelton wählen und die Vibration einschalten. Beim iPhone kann zusätzlich das Blitzlicht bei Anrufen aufleuchten, bei vielen Android-Geräten gibt es eine ähnliche Blitzbenachrichtigung.
  6. Bildschirmsperre verlängern. Die automatische Sperre auf zwei bis fünf Minuten stellen, damit der Bildschirm nicht mitten im Lesen dunkel wird.
  7. Notruf und Notfallpass einrichten. Beim iPhone heisst die Funktion «Notruf SOS», bei Android «Notfall-SOS»: Durch mehrmaliges Drücken der Seitentaste wird ein Notruf ausgelöst. Im Notfallpass (iPhone, Health-App) oder in den «Notfallinformationen» (Android) tragen Sie Medikamente, Allergien und Kontaktpersonen ein. Rettungskräfte sehen das auch bei gesperrtem Telefon.
  8. Wichtige Kontakte mit Foto speichern. Wer ein Foto hat, wird beim Anruf sofort erkannt, auch ohne Brille.
Ich empfehle, die Schrift zuerst eine Stufe grösser einzustellen, als Sie für nötig halten. Wer das Telefon mit ausgestrecktem Arm liest, hat die Schrift fast immer zu klein gewählt. Nach ein paar Tagen merken Sie, ob Sie die Lesebrille fürs Handy überhaupt noch brauchen.

Probieren Sie nach dem Einrichten ein paar Tage alles aus. Wenn etwas stört, etwa zu riesige Schrift in einer bestimmten App, stellen Sie es einfach eine Stufe zurück. Nichts davon kann das Telefon kaputt machen.

Sicher bleiben: Code, Updates und falsche SMS

Die meisten Gefahren kommen nicht über das Gerät, sondern über Nachrichten. Ein paar Gewohnheiten schützen sehr zuverlässig.

  • Code oder Fingerabdruck einschalten. Geht das Telefon verloren, kommt niemand an Fotos, Nachrichten und Bank-App. Notieren Sie den Code nicht auf der Hülle, sondern zu Hause an einem sicheren Ort.
  • Updates zulassen. Automatische Updates schliessen Sicherheitslücken, ohne dass Sie daran denken müssen. Am besten über Nacht, wenn das Telefon am Ladekabel hängt.
  • Falsche SMS erkennen. «Ihr Paket wartet», «Ihre Rechnung ist offen», «Ihr Konto wird gesperrt»: solche Nachrichten mit Link sind ein beliebter Trick. Post, Bank und Krankenkasse fragen nie per SMS nach Passwörtern oder Codes. Im Zweifel die Nachricht löschen und die Firma über die Nummer auf ihrer Rechnung anrufen.
  • Codes nie weitergeben. Einen Bestätigungscode, den Sie per SMS bekommen, sagen Sie niemandem am Telefon, auch nicht einer freundlichen Stimme vom «Kundendienst».

Die häufigsten Tricks, von der falschen Nachricht eines angeblichen Familienmitglieds bis zum angeblichen Polizisten, sind im Beitrag über Schwindeleien im Internet ausführlich erklärt.

Wo man es in der Schweiz lernt

Allein mit dem Handbuch lernt kaum jemand gern. In einer kleinen Gruppe, mit Leuten, die dieselben Fragen haben, geht es schneller und macht mehr Spass.

  • Pro Senectute bietet in den Kantonen Kurse rund um Smartphone und Tablet an, von den Grundlagen bis zu WhatsApp, SBB-App oder Künstlicher Intelligenz. Manche Kantone haben offene Treffs, an denen man mit eigenen Fragen vorbeikommt, und teils gibt es Hilfe zu Hause. Das Angebot finden Sie in der Kurssuche von Pro Senectute.
  • Swisscom Academy: Swisscom führt Einsteigerkurse zu Smartphone und Tablet durch, etwa einen Grundkurs fürs iPhone. Die Kurse kosten etwas, Daten und Preise stehen auf der Website von Swisscom.
  • Klubschule Migros: Hier gibt es Kurse zum Smartphone im Alltag, etwa Billette kaufen, Formulare ausfüllen oder E-Banking. Für manche Kurse muss das Telefon schon eingerichtet sein, wenn es losgeht.
  • Gemeinde und Bibliothek: Viele Gemeinden, Kirchgemeinden und Bibliotheken bieten Handy-Sprechstunden an, manchmal mit Jugendlichen als Lehrern. Fragen Sie bei der Gemeindeverwaltung nach.

Ein Kurs hat einen schönen Nebeneffekt: Man sitzt mit Gleichaltrigen zusammen, trinkt in der Pause einen Kaffee und merkt, dass niemand alles weiss. Aus solchen Kursen sind schon Wandertreffs, Jassrunden und Freundschaften entstanden.

Enkel, Fotos und der erste Videoanruf

Die Familie ist für viele der eigentliche Grund für ein Smartphone. Fotos der Grosskinder kommen am selben Tag, ein Videoanruf ersetzt keinen Besuch, aber er überbrückt die Woche bis dahin. Am einfachsten gelingt der Videoanruf über WhatsApp oder FaceTime: Kontakt öffnen, auf das Kamerasymbol tippen, warten. Ein Tipp für die ersten Male: Stellen Sie das Telefon hin, statt es zu halten, dann zittert das Bild nicht und Sie haben die Hände frei für die Kaffeetasse.

Grossmutter und Enkelin machen in der Küche ein Selfie

Wenn die Grosskinder helfen, ist das ein Geschenk, aber sie sind schnell. Bitten Sie darum, dass Sie selbst tippen und das Kind nur sagt, wo. Was man selbst gemacht hat, findet man am nächsten Tag wieder.

Aus meiner Sicht gilt beim Lernen am Handy eine alte Schulregel: Wer erklärt, hält die Hände auf dem Rücken und sagt nur, wohin man tippen soll. So bleibt der Finger auf dem Bildschirm Ihr eigener, und jeder Schritt bleibt im Gedächtnis.

Und wenn das Herz auch mitreden will

Wer allein lebt, merkt mit dem Smartphone schnell, wie leicht Kontakt heute geworden ist. Das gilt auch für die Partnersuche. Statt in der Zeitung ein Inserat aufzugeben, schreibt man abends auf dem Sofa ein paar Zeilen, schickt ein Foto vom Pilatus und vereinbart einen Kaffee am See. Die bekannten Wisch-Apps sind dafür meistens nicht gemacht. Für unsere Generation passen Partnerbörsen, bei denen man ein ausführliches Profil anlegt und nach Alter und Region sucht.

Was Sie wissen sollten: Dafür braucht es nicht zwingend eine App. Viele Partnerbörsen ab 50 laufen im Browser des Telefons genauso gut, mit der grossen Schrift, die Sie oben eingestellt haben. 60plusTreff zum Beispiel öffnen Sie einfach im Browser und legen ein Lesezeichen auf den Startbildschirm, Zusammen.ch bietet zusätzlich eine App an. Die zwei sind Geschwister von be2, eDarling und weiteren Seiten, alle betrieben durch be2 S.à.r.l. (Luxemburg), und viele Mitglieder werden markenübergreifend angezeigt. Sie müssen sich also nicht dreimal anmelden: Wählen Sie die Marke, deren Ton und Altersgruppe Ihnen gefällt.

60plusTreff im Handy-Browser ansehen

Was Sie wissen sollten: Ein Abo, das Sie in einer App über Apple oder Google abschliessen, läuft über den Store und wird auch dort beendet. Die App zu löschen, beendet es nicht. Übersichtlicher ist die Zahlung im Browser: Dort sehen Sie beim Kauf die Kündigungsfrist und können sie gleich in den Kalender eintragen.

Welche Plattformen zu welchem Alter passen, zeigen unsere Rangliste der Partnerbörsen und die Ratgeber Partnersuche ab 60 und Partnersuche ab 70. Und bevor Sie jemandem Ihre Handynummer geben: Woran man Liebesbetrug erkennt, steht im Beitrag über Love Scam bei Senioren.

Auch wenn das erste Kennenlernen ganz ohne Telefon geschieht, beim Wandern, im Kurs oder im Verein: Das Smartphone hält danach die Verbindung lebendig. Ein Foto vom Morgenspaziergang, eine kurze Sprachnachricht oder ein Videoanruf am Abend sind kleine Zeichen, die gerade in einer neuen Beziehung viel bedeuten. Und wer Fotos schickt, lernt nebenbei die Kamera kennen: Bildschirm antippen, um scharf zu stellen, und das Telefon für Landschaften quer halten.

Was Leserinnen und Leser fragen

Doro oder Emporia: Was ist besser?

Beide Hersteller haben sich auf Telefone für ältere Menschen spezialisiert und bieten Tastenhandys, Klapphandys und vereinfachte Smartphones an, oft mit Notruftaste. Entscheidend ist weniger die Marke als die Frage, was Sie brauchen: nur telefonieren oder auch WhatsApp und Fotos. Halten Sie beide Geräte im Laden in der Hand und testen Sie Lautstärke und Tasten.

Was ist das einfachste Handy für Senioren?

Zum reinen Telefonieren ist ein Tastenhandy mit grossen Knöpfen am einfachsten. Wer Fotos, WhatsApp und Videoanrufe möchte, fährt mit einem normalen Smartphone im vereinfachten Modus («Einfacher Modus» bei Android, «Unterstützter Zugriff» beim iPhone) meist besser.

Wie richtet man ein Smartphone für Senioren ein?

Schrift vergrössern, Zoom und Kontrast einschalten, vereinfachten Startbildschirm wählen, laute Klingel und Vibration einstellen, Bildschirmsperre verlängern, Notruf SOS und Notfallpass einrichten, wichtige Kontakte mit Foto speichern. Die Reihenfolge finden Sie oben Schritt für Schritt.

Kann man auf einem Seniorenhandy WhatsApp nutzen?

Auf Senioren-Smartphones mit Touchscreen in der Regel ja, auf einfachen Tasten- und Klapphandys meist nicht. Fragen Sie vor dem Kauf ausdrücklich danach, wenn die Familie über WhatsApp schreibt.

Brauche ich einen speziellen Vertrag?

Nein. Jede normale SIM-Karte funktioniert, auch Prepaid. Sie können das Telefon ohne Abo kaufen und den Anbieter frei wählen.

Kann man mit dem Smartphone eine Partnerin oder einen Partner finden?

Ja, viele Partnerbörsen für Menschen ab 50 und 60 funktionieren im Browser des Telefons oder mit eigener App. Die grosse Schrift und der Zoom helfen auch dort. Eine Übersicht nach Alter und Interessen finden Sie in unserer Rangliste.