Inhalt dieser Seite
- Gibt es den richtigen Zeitpunkt für eine neue Liebe?
- Schuldgefühle und Loyalität: «Darf ich das überhaupt?»
- Der verstorbene Partner in der neuen Beziehung
- Wie reagieren die Kinder auf eine neue Liebe?
- Welche Partnerbörsen passen nach einem Verlust?
- Das Profil als Witwe oder Witwer
- Trauergruppen und Wege ausserhalb des Internets
- Praktisches: Witwenrente, Pensionskasse und Erbe
- Wenn die Trauer zurückkommt
- Was Leserinnen und Leser fragen
Die ehrliche Antwort zuerst: Ja, man kann sich als Witwe oder Witwer neu verlieben, mit 60, mit 70 und auch später. Und nein, es gibt keine Frist, die man abwarten muss. Manche spüren nach anderthalb Jahren, dass sie wieder Lust auf Gesellschaft haben, andere erst nach zehn Jahren, manche nie. Alles davon ist in Ordnung, und niemand ausser Ihnen selbst kann das beurteilen.
Viele Verwitwete beschreiben den Weg zurück ins Leben als eine Folge kleiner Schritte: zuerst wieder Freundinnen und Freunde treffen, dann Kurse oder Vereine, irgendwann die Frage, ob da noch einmal eine Partnerschaft Platz hat. Manche melden sich auf einer Partnerbörse an, merken, dass es noch zu früh ist, und kommen ein, zwei Jahre später mit viel mehr Ruhe zurück. Beides gehört dazu. Die Hinweise zu den Plattformen auf dieser Seite beruhen auf deren öffentlichen Seiten, AGB und Hilfeseiten, auf Erfahrungsberichten von Mitgliedern und auf Fachliteratur zur Trauer.
Diese Seite ist für Sie, wenn Sie einen Menschen verloren haben und sich vorsichtig fragen, ob da noch einmal etwas kommen darf. Sie finden Anzeichen, dass Sie bereit sind, Gedanken zu Schuld und Loyalität, zu den Kindern, Tipps für Profil und erstes Treffen, die passenden Partnerbörsen und das Wichtigste zu Rente und Erbe.
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Gibt es den richtigen Zeitpunkt für eine neue Liebe?
Früher sprach man vom «Trauerjahr», und manche Familien rechnen noch heute damit. Für das Herz ist das kein Massstab. Trauer verläuft nicht in sauberen Etappen, sie kommt in Wellen, und eine neue Begegnung kann mitten in einer ruhigen Phase auftauchen oder mitten in einer schweren. Wer nach einem Jahr jemanden kennenlernt, hat den verstorbenen Partner nicht weniger geliebt. Wer nach zehn Jahren noch keine Lust hat, ist nicht «stehen geblieben».
Anzeichen, dass Sie bereit sind
- Sie können von Ihrem Mann oder Ihrer Frau erzählen, ohne dass es Sie jedes Mal umwirft. Traurig sein dürfen Sie trotzdem.
- Sie sind neugierig auf einen neuen Menschen, mit seinen eigenen Gewohnheiten, und erwarten nicht, dass er so ist wie der alte.
- Sie wünschen sich Gesellschaft, weil Sie Freude teilen möchten, nicht nur, weil die Abende so still sind.
- Sie haben Ihren Alltag wieder einigermassen im Griff: Rechnungen, Haushalt, die Wochenenden.
- Der Gedanke an ein erstes Treffen macht Sie nervös, aber nicht elend.
Wenn es noch nicht passt
Wenn Sie beim Ausfüllen eines Profils merken, dass Sie eigentlich nur den Verstorbenen beschreiben, oder wenn jede Nachricht eine Welle von Traurigkeit auslöst, dann legen Sie die Sache einfach wieder hin. Ein gelöschtes Profil ist keine Niederlage, sondern eine ehrliche Antwort an sich selbst, und viele kommen später mit neuer Freude zurück. Was Sie wissen sollten: Ein Abo kündigen Sie separat, weil das Löschen des Profils den Vertrag nicht beendet; die bezahlte Zeit bleibt bis zum Schluss nutzbar.
Schuldgefühle und Loyalität: «Darf ich das überhaupt?»
Fast alle Verwitweten kennen diese Frage. Man lacht zum ersten Mal wieder herzhaft mit einem anderen Menschen und fühlt sich auf dem Heimweg wie eine Verräterin. Das ist normal. Es zeigt, wie viel Ihnen die Ehe bedeutet hat, und nicht, dass Sie etwas Falsches tun.

Ein Bild, das vielen hilft: Liebe ist kein Kuchen, der kleiner wird, wenn man ein neues Stück abschneidet. Die Liebe zum verstorbenen Partner schrumpft nicht, weil ein neuer Mensch dazukommt. Sie bekommt einen anderen Ort, ruhiger, dankbarer, und bleibt Teil dessen, wer Sie sind. Viele fragen sich auch, was der verstorbene Partner sagen würde. Bei den meisten lautet die ehrliche Antwort: Er oder sie hätte nicht gewollt, dass Sie allein am Fenster sitzen.
Es gibt auch das umgekehrte Gefühl, über das man selten spricht: Erleichterung. Wer jahrelang gepflegt hat, ist nach dem Tod nicht nur traurig, sondern auch erschöpft und manchmal froh, dass das Leiden vorbei ist. Auch das ist erlaubt. Und wer sich schon nach kurzer Zeit verliebt, ist kein schlechterer Mensch; Trauer und Verliebtheit können sehr wohl gleichzeitig im selben Herzen wohnen.
Der verstorbene Partner in der neuen Beziehung
Eine neue Beziehung nach einer langen Ehe beginnt nie auf einem leeren Blatt. Der verstorbene Mensch gehört zu Ihrer Geschichte, und ein guter neuer Partner weiss das. Er muss nicht mit ihm konkurrieren, und Sie müssen ihn nicht verstecken.
Beim ersten Treffen über ihn oder sie reden?
Ja, kurz und ohne Scheu. Ein Satz wie «Mein Mann ist vor fünf Jahren gestorben, wir waren lange verheiratet» genügt. Ihr Gegenüber weiss dann, woran es ist, und muss nicht herumraten. Was Sie vermeiden sollten: den ganzen Nachmittag lang von früher erzählen oder den neuen Menschen laufend vergleichen («Mein Mann hätte das anders gemacht»). Wenn Ihr Gegenüber ebenfalls verwitwet ist, entsteht oft schnell eine stille Verbundenheit, man muss sich vieles nicht erklären.
Erinnerungsstücke, Wohnung und Gedenktage
Fotos, Möbel, der Ehering: Was bleibt, was wandert in eine Schublade? Dafür gibt es keine Regel, nur ein Gefühl. Viele Paare ab 60 behalten ihre eigene Wohnung, so muss niemand im Wohnzimmer des Vorgängers leben, und die Erinnerungen dürfen bleiben, wo sie sind. Dieses Modell, oft «Living apart together» genannt, verbindet Nähe mit Unabhängigkeit und ist bei Verwitweten besonders beliebt. Gedenktage wie Todestag oder Hochzeitstag sprechen Sie am besten früh an, damit Ihr neuer Partner nicht rätselt, warum Sie an einem bestimmten Tag still sind.
Wie reagieren die Kinder auf eine neue Liebe?
Erwachsene Kinder reagieren ganz unterschiedlich, und oft anders, als man erwartet. Manche sind erleichtert, dass Mutter oder Vater nicht mehr allein ist und sie selbst etwas weniger Sorgen tragen müssen. Andere fühlen sich, als würde der verstorbene Elternteil ein zweites Mal verschwinden. Bei manchen spielen Fragen rund um Elternhaus und Erbe mit, auch wenn sie das nicht laut sagen.

Was sich in vielen Familien bewährt hat:
- Früh erzählen, dass Sie sich wieder öffnen möchten, noch bevor es einen konkreten Menschen gibt.
- Den neuen Partner erst vorstellen, wenn es Ihnen ernst ist, und dann auf neutralem Boden: ein Spaziergang, ein Kaffee, kein grosses Familienfest.
- Den Kindern Zeit geben und ihre Gefühle ernst nehmen, ohne sich dafür zu entschuldigen, dass Sie weiterleben.
- Geld- und Erbfragen offen ansprechen, das nimmt viel Druck aus der Sache.
Ich empfehle, dem neuen Partner und den Kindern Raum für ein eigenes Gespräch zu lassen. Oft entsteht die Verbindung über den verstorbenen Elternteil selbst: Ein neuer Mensch, der respektvoll nach ihm fragt, öffnet Türen, die man mit keiner Erklärung aufbekommt.
Welche Partnerbörsen passen nach einem Verlust?
Nach dem Tod des Partners sucht kaum jemand ein schnelles Abenteuer. Gefragt sind Seiten mit ruhigem Ton, Gleichaltrigen und ausführlichen Profilen, auf denen man sich Zeit lassen darf. Plattformen mit Persönlichkeitstest haben den Vorteil, dass Sie Vorschläge bekommen und nicht stundenlang selbst durch Bilder blättern müssen. Unsere Rangliste für Verwitwete ab 50:
60plusTreff
Für alle ab 60, die eine feste Beziehung oder einen lieben Menschen für gemeinsame Pläne suchen.
Ideal ab 60- Konsequent auf die Generation 60+ ausgerichtet, Bilder und Sprache inklusive
- Persönlichkeitstest mit Partnervorschlägen, die man gratis ansehen kann
- Kontrastmodus und Bedienhilfen direkt im Menü
Zusammen.ch
Für Singles ab 50 mit Lust auf schöne Momente zu zweit, gern auch unterwegs per App.
Ideal ab 50- Klare Ausrichtung auf 50+, ruhiger Ton
- App für iPhone und Android vorhanden
- Sehr aktive Mitgliedschaft laut Anbieter
Parship
Für alle, die eine bekannte Partnervermittlung mit ausführlichem Test suchen. Viele Mitglieder sind zwischen 40 und 65.
Ideal ab 40- Bekannter Name, grosse Bekanntheit in der Deutschschweiz
- Ausführlicher Persönlichkeitstest
- Apps für iOS und Android
50plus-Singlebörse
Für Menschen um die 50 und darüber, die Beruf, Familie und Freundeskreis jonglieren und wenig Zeit verlieren wollen.
Ideal ab 50- Einfacher Einstieg, ausgewogener Frauen- und Männeranteil laut Anbieter
- Testergebnis und Partnerbeschreibung gratis
- Gute Wahl, wenn man sich mit 60 noch nicht «60plus» fühlt
Zweisam
Für Singles ab 50, die neben dem Chatten auch Treffen und Anlässe in der Nähe schätzen.
Ideal ab 50- Nur Singles ab 50
- Veranstaltungen in der Region
- Gratis-App für iOS und Android
ElitePartner
Für gebildete Singles mit klarem Wunsch nach einer langen Beziehung, Schwester von Parship.
Ideal alle Alter- Seit 2005 in der Schweiz
- Geprüfte Profile
- Gepflegter, eher ruhiger Ton
Academic Singles
Für Akademikerinnen, Akademiker und alle, denen Bildung und Gesprächsniveau beim Gegenüber wichtig sind.
Ideal alle Alter- Profile mit Prüfung der Fotos
- Gut für Pensionierte aus Lehre, Medizin, Verwaltung
- App vorhanden
be2
Für Singles jeden Alters, die etwas Festes suchen und eine grosse, gemischte Börse mögen.
Ideal alle Alter- Seit vielen Jahren in der Schweiz
- App vorhanden
- Breites Altersspektrum, also auch jüngere Profile
60plusTreff richtet sich ausdrücklich an Menschen über 60, mit Kontrastmodus und einem eigenen Menü für Barrierefreiheit. Wer eher mit Gleichaltrigen schreiben möchte als mit 50-Jährigen, ist hier richtig. Details im Test von 60plusTreff.
Zusammen.ch spricht Singles ab 50 an, wirkt gepflegt und unaufgeregt und hat eine App für Handy und Tablet. Mehr dazu in unseren Zusammen.ch Erfahrungen.
Parship (PE Digital GmbH, Hamburg) setzt auf einen ausführlichen Persönlichkeitstest; die meisten Mitglieder sind laut Anbieter zwischen 40 und 65. Zweisam (Meetic SAS, Paris) ist nur für Singles ab 50 gedacht und weist auf Veranstaltungen in der Nähe hin. Für viele Verwitwete ist so ein Anlass angenehmer als ein Treffen zu zweit mit einer fremden Person, mehr im Zweisam-Test.
Was Sie wissen sollten: Acht bekannte Marken haben einen gemeinsamen Betreiber: 60plusTreff, Zusammen.ch, die 50plus-Singlebörse, Academic Singles, be2, Aktiv & Verliebt, eDarling und VerliebtAb40 laufen alle unter be2 S.à.r.l., einer Firma in Luxemburg. Profile können auch Mitgliedern der Schwesterseiten vorgeschlagen werden, der Kreis ist also grösser, als die einzelne Marke vermuten lässt. Darum genügt eine Marke, deren Ton und Alter zu Ihnen passen. Wer eine zweite Seite möchte, wählt eine aus einer anderen Gruppe.
Anmelden und Vorschläge ansehen ist überall kostenlos. Für unbegrenzte Nachrichten braucht es ein Abo; bei den be2-Marken laut Testberichten ab ca. 60 Franken pro Monat im Jahresabo, kürzere Laufzeiten kosten deutlich mehr, der genaue Preis wird im Konto angezeigt. Ein Abo, das nicht fristgerecht gekündigt wird, läuft von selbst weiter; bei den be2-Marken reicht es, wenn die Kündigung zwei Wochen vor dem Laufzeitende eintrifft, solange beim Kauf nichts anderes steht. Notieren Sie das Datum gleich nach dem Kauf.
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Das Profil als Witwe oder Witwer
Den Verlust erwähnen?
Ja, in einem Satz. «Verwitwet seit 2019» im Zivilstand und vielleicht ein Halbsatz im Text («nach einer langen, guten Ehe bin ich seit einigen Jahren allein») genügen. Das sortiert ganz natürlich: Menschen, die damit nicht umgehen können, melden sich gar nicht erst, und andere Verwitwete erkennen Sie sofort. Was nicht ins Profil gehört: die Krankheitsgeschichte, das Todesdatum, ein Foto am Grab.
Die Fotos
Aktuell, bei Tageslicht, mit einem echten Lächeln, allein im Bild. Keine Hochzeits- oder Ferienbilder, auf denen der verstorbene Partner abgeschnitten wurde: Man sieht die halbe Schulter, und jeder weiss Bescheid. Zwei oder drei Bilder reichen, eines vom Gesicht, eines draussen bei etwas, das Sie gern tun.
Ein Detail, das viele übersehen, ist der Ehering. Wer ihn täglich trägt, bemerkt ihn auf einem Foto oft gar nicht mehr, für Betrachter ist er aber ein starkes Signal. Ob Sie ihn tragen, an einer Kette aufbewahren oder ablegen, entscheiden allein Sie. Für das Profilbild lohnt es sich, kurz darauf zu achten, ob der Ring gross im Vordergrund steht, und das Bild im Zweifel einfach neu aufzunehmen.
Die erste Nachricht
Beziehen Sie sich auf etwas Konkretes im Profil des anderen: die Wanderung aufs Stanserhorn, das Buch, den Garten. Eine Frage am Schluss macht das Antworten leicht. Ihren Verlust müssen Sie in der ersten Nachricht nicht ansprechen, das kommt im Gespräch von selbst. Und wenn jemand nicht antwortet, liegt es selten an Ihnen; viele schauen nur einmal pro Woche in ihr Postfach.
Das erste Treffen in der Schweiz
Wählen Sie einen Ort, der nicht mit Erinnerungen an Ihren Partner belegt ist. Nicht das Stammrestaurant, nicht der Lieblingsweg von früher. Ein Kaffee am Seeufer, ein Spaziergang mit Einkehr, ein Museumsbesuch am Nachmittag: Das lässt sich nach einer Stunde beenden oder verlängern. Reisen Sie mit Bus und Bahn oder dem eigenen Auto an, damit Sie unabhängig bleiben, und sagen Sie einer Vertrauensperson, wo Sie sind.
Vorsicht vor Betrügern
Liebesbetrüger haben es besonders auf Verwitwete abgesehen: Wer allein lebt und etwas zurückgelegt hat, gilt für sie als lohnendes Ziel. Warnzeichen: grosse Gefühle nach wenigen Tagen, der Wunsch, sofort auf WhatsApp zu wechseln, ein Beruf im Ausland ohne Möglichkeit zum Videoanruf, und früher oder später eine Notlage, die Geld kostet. Darum gilt ohne Ausnahme: Wer Ihnen noch nie persönlich gegenübersass, bekommt kein Geld. Mehr dazu unter Love Scam bei Senioren.
Trauergruppen und Wege ausserhalb des Internets
Für viele ist der erste Schritt gar nicht die Partnerbörse, sondern das Leben draussen. Wer unter Leuten ist, merkt am ehesten, ob er wieder Lust auf Nähe hat. Bewährt haben sich:

- Trauergruppen und Trauercafés. Viele reformierte und katholische Kirchgemeinden bieten Gesprächsgruppen für Hinterbliebene an, oft auch für Menschen ohne enge Bindung an die Kirche. Fragen Sie im Sekretariat Ihrer Gemeinde oder beim Seelsorger nach.
- Pro Senectute. Sie ist in allen Kantonen vertreten und berät laut eigener Angabe kostenlos zu Lebensfragen, Finanzen, Gesundheit und Wohnen im Alter. Daneben gibt es Kurse, Sportgruppen und Wanderungen, je nach Kanton. Die Angebote finden Sie auf prosenectute.ch.
- Wandervereine, Singgruppen, Tanznachmittage. Hier kommt man ins Gespräch, ohne dass es um Liebe gehen muss. Aus gemeinsamen Hobbys entstehen oft die stabilsten Beziehungen, weil man sich im Alltag kennenlernt.
- Freiwilligenarbeit und Kurse. Wer etwas gemeinsam tut, hat sofort ein Thema, und die Pause danach ergibt sich von allein.
Wer vor allem Gesellschaft sucht und nicht gleich eine Beziehung, findet Anregungen unter Freizeitpartner ab 60. Und wer über 70 ist, findet eigene Tipps unter Partnersuche ab 70.
Praktisches: Witwenrente, Pensionskasse und Erbe
Bevor Sie zusammenziehen oder gar heiraten, sollten Sie ein paar Dinge wissen. Das ist keine Rechtsberatung, sondern eine Liste von Fragen, die Sie stellen sollten.
- AHV-Witwen- oder Witwerrente: Laut dem Merkblatt der AHV zu Hinterlassenenleistungen erlischt sie mit einer Wiederverheiratung; Waisenrenten laufen weiter. Wer gleichzeitig Anspruch auf eine Altersrente hat, bekommt ohnehin nur die höhere der beiden Renten.
- Zusammenleben ohne Trauschein: Ein Konkubinat wird im Merkblatt nicht als Grund für das Erlöschen der Rente genannt. Klären Sie Ihre Situation trotzdem bei Ihrer Ausgleichskasse, bevor Sie etwas ändern.
- Heirat und Altersrente: Für Ehepaare sind die beiden AHV-Altersrenten zusammen nach oben begrenzt. Lassen Sie sich vor einer Hochzeit ausrechnen, was das für Sie bedeutet.
- Pensionskasse: Ob eine Hinterlassenenrente der zweiten Säule bei Wiederheirat endet, steht im Reglement Ihrer Kasse. Ein Anruf lohnt sich.
- Erbe: Ein Partner ohne Trauschein ist kein gesetzlicher Erbe. Wer etwas regeln möchte, braucht ein Testament, und die Pflichtteile der Kinder sind zu beachten. Beratung bieten Notariate, Anwältinnen und Pro Senectute.
Viele Paare ab 60 entscheiden sich deshalb für zwei Wohnungen und keinen Trauschein. Das ist kein Mangel an Liebe, sondern oft schlicht vernünftig.
Wenn die Trauer zurückkommt
Sie wird zurückkommen: am ersten gemeinsamen Weihnachten, am Todestag, bei einem Lied im Radio. Das heisst nicht, dass die neue Beziehung ein Fehler war. Reden Sie darüber, statt sich zurückzuziehen. Ein Partner, der selbst einen Verlust erlebt hat, versteht das meistens sehr gut, und einer, der es nicht erlebt hat, lernt es, wenn Sie es ihm sagen.
Aus meiner Sicht braucht es für Gedenktage keine grossen Abmachungen, nur Offenheit. Sagen Sie Ihrem neuen Partner, ob Sie den Tag allein verbringen möchten oder ob Sie Begleitung schätzen. Ein Partner, der diesen Raum respektiert, zeigt damit mehr Liebe als mit jedem Geschenk.
Wenn die Traurigkeit über Monate nicht nachlässt, Sie kaum noch schlafen oder alles grau wird, ist das mehr als Trauer. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Mehr dazu in Hilfe bei Melancholie und Schwermut.
Weiterlesen: Was sich an der Liebe nach 60 ändert, steht in Liebe im Alter, und den allgemeinen Ratgeber finden Sie unter Partnersuche ab 60.
Was Leserinnen und Leser fragen
Kann man sich als Witwe oder Witwer neu verlieben?
Ja. Was Sie für den verstorbenen Menschen empfinden, bleibt; die neue Zuneigung tritt einfach daneben. Viele Verwitwete erzählen, dass sie sich anders verlieben als mit zwanzig: ruhiger, dankbarer, mit weniger Erwartungen an den anderen und mehr Freude an den kleinen Dingen.
Wie schnell ist eine neue Beziehung nach dem Tod des Partners in Ordnung?
Es gibt keine feste Frist. Massgebend ist, ob Sie einen neuen Menschen kennenlernen möchten oder einen Ersatz suchen. Wer von seinem verstorbenen Partner erzählen kann, ohne zusammenzubrechen, und neugierig auf jemand Neuen ist, darf es versuchen, egal, was andere dazu denken.
Wie finde ich als Witwe einen neuen Partner?
Am besten auf zwei Wegen gleichzeitig: eine ruhige Partnerbörse für Gleichaltrige wie 60plusTreff, Zusammen.ch oder Parship und ein Hobby mit Menschen, etwa ein Wanderverein, eine Singgruppe oder ein Kurs von Pro Senectute. Im Profil erwähnen Sie den Verlust in einem Satz.
Kann man nach dem Tod des Partners wieder glücklich werden?
Ja, auch wenn es am Anfang unvorstellbar scheint. Glück sieht danach oft anders aus als vorher, leiser vielleicht. Es kann eine neue Beziehung sein, eine Freundschaft, eine Reisebegleitung oder einfach ein Alltag, der wieder Freude macht.
Verliere ich die Witwenrente, wenn ich mit einem neuen Partner zusammenlebe?
Die AHV-Witwen- oder Witwerrente erlischt laut Merkblatt der AHV mit einer Wiederverheiratung. Das Zusammenleben ohne Trauschein wird dort nicht als Grund genannt. Bei der Rente der Pensionskasse entscheidet das Reglement. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Ausgleichskasse und Ihrer Pensionskasse nach.
Ist es normal, nach dem Tod des Partners wieder Nähe und Zärtlichkeit zu vermissen?
Ja, völlig. Nähe, Berührung und auch Sexualität verschwinden nicht mit der Trauer. Viele schämen sich dafür und reden mit niemandem darüber. Lassen Sie sich Zeit und tun Sie nur, was sich für Sie richtig anfühlt; ein Partner, der es ernst meint, wartet gern.
