Inhalt dieser Seite
- Die ersten Monate: was nach dem letzten Arbeitstag passiert
- Eine Woche, die trägt
- Zu zweit 24 Stunden am Tag, oder plötzlich allein
- Gebraucht werden: Freiwilligenarbeit
- Lernen, weil man endlich Zeit hat
- Bewegen und unterwegs sein
- Enkel hüten, ohne darin zu verschwinden
- Geld und Vorbereitung, kurz und ohne Zahlen
- Neue Menschen kennenlernen
- Was Leserinnen und Leser zur Freizeit nach der Pensionierung fragen
Die kurze Antwort auf die Frage, wie man mit der plötzlichen Freiheit umgeht: mit ein wenig Plan, viel Neugier und Geduld mit sich selbst. Die Freiheit ist ein Geschenk, aber eines, das man auspacken muss. Bei den meisten Menschen dauert das zwischen einem halben und einem ganzen Jahr.
Was hier steht, stützt sich auf die Empfehlungen von Fachstellen wie Pro Senectute, auf Angebote von Benevol, Seniorenuniversitäten und Klubschulen und auf die Fragen, die uns Leserinnen und Leser rund um den Ruhestand stellen. Bis vor Kurzem gingen Frauen in der Schweiz mit 64 in Pension; seit der Reform AHV 21 steigt das Referenzalter schrittweise auf 65. Für alle gilt aber dasselbe: Der Übergang gelingt leichter, wenn man weiss, was einen erwartet.
Die ersten Monate: was nach dem letzten Arbeitstag passiert
Am Anfang ist alles schön. Man schläft aus, frühstückt lange, räumt endlich den Estrich auf und fährt an einem Mittwoch auf den Pilatus, wenn alle anderen arbeiten. Viele nennen diese Zeit die Ferienphase, und sie dauert erstaunlich lange, oft mehrere Monate, bis die ersten gewohnten Termine wie Schulferien oder Jahresabschlüsse plötzlich keine Bedeutung mehr haben.
Alte Gewohnheiten aus dem Berufsleben tauchen im ersten Jahr immer wieder auf, etwa der Reflex, im August Material für das neue Arbeitsjahr zu besorgen. Ich empfehle, diese Momente nicht zu verdrängen, sondern umzudeuten: Nutzen Sie den alten Rhythmus für ein neues Vorhaben, zum Beispiel einen Kurs, der jedes Jahr im Herbst beginnt.
Danach kommt bei vielen eine stillere Zeit. Der Tag hat keine Form mehr, das Telefon klingelt seltener, und man merkt, wie viel die Arbeit neben dem Lohn gegeben hat: einen Grund, aufzustehen, eine Rolle, Anerkennung und vor allem Menschen. Das Team, Kunden, Lernende, der Hauswart, mit dem man jeden Morgen zwei Sätze gewechselt hat. Manche Ratgeber nennen das den Pensionierungsschock. Ich finde das Wort zu gross. Es ist eher ein Umzug: Man wohnt plötzlich in einem anderen Leben und muss die Möbel neu stellen.
Und dann, meistens ohne dass man es merkt, entsteht ein neuer Rhythmus. Ein paar Dinge bleiben, ein paar kommen dazu, und irgendwann ist man erstaunt, dass die Woche wieder zu kurz ist. Wer diese drei Phasen kennt, erschrickt weniger, wenn die zweite kommt.
Eine Woche, die trägt
Ein Stundenplan wie früher ist nicht nötig. Aber zwei oder drei feste Punkte in der Woche wirken Wunder, vor allem für Menschen, die allein leben. Sie geben dem Tag einen Anfang und der Woche ein Gerüst, an dem man den Rest aufhängen kann. Ein Beispiel, wie eine solche Woche aussehen kann:
| Tag | Fester Punkt | Was es bringt |
|---|---|---|
| Montag | Wocheneinkauf und Haushalt | Ordnung, und der Rest der Woche bleibt frei |
| Dienstag | Walking oder Turnen in einer Gruppe | Bewegung und Gesellschaft am selben Morgen |
| Mittwoch | Grosskinder hüten oder Freiwilligeneinsatz | Gebraucht werden |
| Donnerstag | Gesangsverein, Kurs oder Vorlesung | Etwas lernen, Kopf und Stimme wach halten |
| Freitag bis Sonntag | Nichts Fixes: Wandern, Besuch, Lesen, Ausflug | Spontaneität, die man sich jahrelang gewünscht hat |
Drei kleine Gewohnheiten helfen zusätzlich: zur gleichen Zeit aufstehen, jeden Tag einmal vor die Tür gehen, auch bei Regen, und sich mindestens einmal pro Woche mit jemandem verabreden, der nicht zur Familie gehört. Das klingt banal. Es ist aber genau das, was zufriedene Pensionierte laut Fachstellen fast alle gemeinsam haben.
Wer gern mit Plänen arbeitet, kann sich einen eigenen Wochenplan an den Kühlschrank hängen: Montag Velo, Dienstag Werkstatt oder Garten, Mittwoch Wandern. Wichtig ist, mindestens einen Tag ausdrücklich als «frei» einzutragen. Ein Plan ohne freien Tag fühlt sich schnell wie eine Pflicht an, und die Pensionierung soll gerade die Freiheit bringen, auch einmal nichts vorzuhaben.
Zu zweit 24 Stunden am Tag, oder plötzlich allein
Für Paare ist die Pensionierung eine Probe. Jahrzehntelang hat man sich am Abend gesehen, jetzt sitzt man sich auch beim Zmittag gegenüber, und zwar jeden Tag. Plötzlich fällt auf, wie der andere die Spülmaschine einräumt. Was in vielen Ehen hilft: jeder behält eigene Hobbys und einen eigenen Freundeskreis, man plant bewusst gemeinsame Tage, und man redet darüber, wer welchen Raum und welche Zeit für sich braucht. Ein eigener Tisch für die Zeitung kann eine Ehe mehr retten als ein Paartherapeut.
Wer allein lebt, erlebt das Gegenteil. Die Wohnung ist still, und es gibt niemanden, mit dem man den Tag nachbespricht. Das ist für Verwitwete und Geschiedene oft der härteste Teil der Pensionierung, viel härter als das fehlende Geld oder der fehlende Titel. Hier helfen die festen Termine besonders, und hier lohnt es sich, den Mut für neue Kontakte früh aufzubringen, solange die Routine noch nicht hart geworden ist. Wer zusätzlich um einen Menschen trauert, findet in unserem Ratgeber Neue Liebe nach dem Verlust des Partners mehr dazu.
Gebraucht werden: Freiwilligenarbeit
Viele Pensionierte möchten weiterhin etwas Sinnvolles tun, nur ohne Chef und Zeiterfassung. Freiwilligenarbeit ist dafür ideal, und in der Schweiz ist das Angebot gross. Ein paar bewährte Adressen:

- Benevol: Benevol Schweiz ist die Dachorganisation der regionalen Fachstellen für Freiwilligenarbeit. Auf benevol-jobs.ch suchen Sie Einsätze nach Kanton oder im Umkreis Ihres Wohnorts, vom Fahrdienst bis zur Bibliothek.
- Tischlein deck dich: Tischlein deck dich rettet Lebensmittel und verteilt sie an Armutsbetroffene, über Abgabestellen in der ganzen Schweiz. Gesucht sind Freiwillige für regelmässige und für gelegentliche Einsätze.
- Pro Senectute: Die kantonalen Organisationen, etwa Pro Senectute Kanton Luzern, suchen Freiwillige für Besuchsdienste, Mahlzeitendienste und Kursleitungen.
- Generationen im Klassenzimmer: Im Kanton Luzern besuchen Seniorinnen und Senioren über Pro Senectute regelmässig eine Primarklasse und helfen im Schulalltag mit. Pädagogische Vorkenntnisse braucht es nicht, nur Freude an Kindern und Zuverlässigkeit. Schulen schätzen die zusätzliche Hand, und die Kinder freuen sich über eine erwachsene Bezugsperson mit Zeit und Geduld.
Mein Rat: lieber klein anfangen, mit einem halben Tag pro Woche, und nach drei Monaten ehrlich prüfen, ob es passt. Wer im alten Beruf weiterarbeiten möchte, findet oft auch dort etwas: als Aushilfe, Stellvertretung, Mentorin für Junge oder mit einem kleinen Pensum. Gerade in Schulen sind erfahrene Stellvertretungen sehr willkommen.
Lernen, weil man endlich Zeit hat
Viele Menschen haben eine Liste im Kopf: Italienisch, endlich richtig. Aquarellmalen. Die Geschichte der Innerschweiz. Wie das Smartphone eigentlich funktioniert. Die Pensionierung ist der Moment, diese Liste abzuarbeiten, und Kurse haben einen schönen Nebeneffekt: Man sitzt jede Woche mit denselben Menschen im Raum.

- Seniorenuniversitäten bieten Vorlesungen, Exkursionen und Begegnungen für Menschen ab etwa 60, ohne Prüfungen. Die Senioren-Universität Luzern steht unter dem Patronat der Universität Luzern, in Zürich gibt es die Seniorenuniversität der UZH.
- Klubschule Migros: Die Klubschule hat an vielen Standorten Sprach-, Kreativ- und Gesundheitskurse, oft am Vormittag, wenn Pensionierte Zeit haben.
- Volkshochschulen in vielen Städten bieten Vortragsreihen und Kurse zu Kultur, Geschichte und Naturwissenschaften.
- Pro Senectute führt Kurse zu Bildung, Kultur, Bewegung und Digitalem, oft in kleinen Gruppen und im eigenen Tempo. Wer mit dem Telefon noch hadert, findet in unserem Artikel Das Smartphone nach 65 einen sanften Einstieg.
Bewegen und unterwegs sein
Bewegung ist der Teil der Pensionierung, über den sich alle einig sind: Wer sich regelmässig bewegt, schläft besser, ist besser gelaunt und trifft unterwegs Menschen. Es muss kein Marathon sein. Ein Spaziergang am See, Velofahren, Schwimmen oder Tanzen zählen genauso.
In Gruppen fällt es leichter. Pro Senectute organisiert in vielen Kantonen offene Sportgruppen, von Wandern über Nordic Walking bis Tanzen. Der Schweizer Alpen-Club SAC ist in Sektionen organisiert, die meist auch ruhigere Touren für Ältere anbieten. Dazu kommen in fast jeder Gemeinde Wandervereine, Turnvereine und Velotreffs, die man am einfachsten über das Gemeindeblatt oder das Anschlagbrett im Dorfladen findet.
Und dann ist da das Reisen. Die einen arbeiten jetzt ihre grosse Liste ab, Fernreise inklusive. Die anderen entdecken lieber das eigene Land: Städtereisen mit dem Zug, Wohnmobil, Schifffahrten, Pässe im Postauto. Ein schöner Trick für Alleinreisende: Gruppenreisen für Seniorinnen und Senioren, bei denen man nicht allein am Tisch sitzt. Ideen für Ausflüge in der Nähe finden Sie in unserem Artikel Spannende Ausflüge in der Schweiz.
Enkel hüten, ohne darin zu verschwinden
Für viele Grosseltern ist der Hütetag das Schönste an der Pensionierung. Für die Kinder ist er oft eine grosse Entlastung. Gerade deshalb lohnt es sich, früh und offen zu sagen, was man geben kann und was nicht. Ein fester Tag ist ein Geschenk. Drei feste Tage sind eine Stelle, nur ohne Lohn und ohne Ferien.

Ich empfehle eine klare Formel, bevor die Anfragen zunehmen: ein fester Hütetag gern immer, weitere Tage nur im Notfall. Sagen Sie das freundlich und früh, am besten nach einer Nacht Bedenkzeit. Die meisten erwachsenen Kinder empfinden eine klare Abmachung als fair, und der feste Tag bleibt für alle ein Vergnügen.
Bewährt hat sich, Abmachungen für ein halbes Jahr zu treffen und dann gemeinsam zu prüfen. So kann man den Rahmen anpassen, ohne dass jemand enttäuscht ist, wenn plötzlich eine Reise oder ein Kurs dazukommt.
Geld und Vorbereitung, kurz und ohne Zahlen
Freizeit gestaltet sich leichter, wenn die Finanzen klar sind. Pro Senectute empfiehlt in ihrem Ratgeber zur Pensionierung, fixe und variable Kosten aufzulisten und dem Einkommen aus AHV, Pensionskasse und Erspartem gegenüberzustellen. Seit der Reform AHV 21 steigt das Referenzalter der Frauen schrittweise auf 65, darum lohnt es sich, das eigene Datum früh zu kennen. Viele Banken, Pensionskassen und Pro Senectute bieten Beratungen an. Wer reisen, Kurse besuchen und den Grosskindern ab und zu ein Geschenk machen möchte, plant diese Posten am besten gleich mit ein.
Neue Menschen kennenlernen
Mit der Pensionierung fallen viele berufliche Kontakte weg, und private Freundschaften werden wichtiger. Neue entstehen fast immer dort, wo man regelmässig hingeht: im Kurs, im Gesangsverein, im Wanderverein, beim Freiwilligeneinsatz. Am Anfang kostet es Überwindung, sich zu jemandem an den Tisch zu setzen. Später ist es genau das, worauf man sich die ganze Woche freut.
Manchmal wird aus einer Bekanntschaft mehr, oft ganz ohne Absicht, einfach weil zwei Menschen regelmässig am selben Ort sind und sich dabei Woche für Woche besser kennenlernen. Viele Alleinstehende merken nach der Pensionierung, dass der Wunsch nach einem Menschen an ihrer Seite stärker wird. Nicht aus Langeweile, sondern weil man endlich Zeit hätte für zwei. Das ist kein Verrat an einer früheren Ehe und auch nichts, wofür man zu alt wäre.
Wer zuerst einfach Begleitung für Wanderungen, Konzerte oder Reisen sucht, findet in unserem Ratgeber Freizeitpartner ab 60 konkrete Wege. Für Brieffreundschaften und lockere Kontakte gibt es Bekanntschaften ab 60. Und wer sich eine neue Liebe wünscht, sollte nicht nur auf den Zufall im Verein hoffen: Partnerbörsen für Menschen ab 50 oder 60 sind heute ein ganz normaler Weg. Welche zu wem passen, erklären wir im Vergleich Partnersuche ab 60. Die Plattform mit der höchsten Note in unserem Vergleich ist 60plusTreff, die sich ausdrücklich an Menschen über 60 richtet. Anmeldung, Persönlichkeitstest und Partnervorschläge sind dort kostenlos. Für unbegrenzte Nachrichten braucht es ein Premium-Abo, doch umschauen kann man sich in aller Ruhe, bevor man etwas entscheidet.
Die erste Zeit nach der Pensionierung ist auch eine Zeit, in der man Bilanz zieht, und das macht manchmal schwermütig. Wenn die Stimmung über Wochen gedrückt bleibt, sprechen Sie mit der Hausärztin, dem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Wo Sie Hilfe finden, steht in Hilfe bei Melancholie und Schwermut.
Was Leserinnen und Leser zur Freizeit nach der Pensionierung fragen
Was kann man in der Pension alles machen?
Fast alles, wofür früher die Zeit fehlte: Freiwilligenarbeit, Sprachen und Kurse, Seniorenuniversität, Wandern, Tanzen, Reisen, Gärtnern, Musik, Grosskinder hüten oder ein kleines Pensum im alten Beruf. Am zufriedensten sind meist jene, die eine Mischung aus Aufgabe, Bewegung und Gesellschaft finden.
Was kann man als Rentnerin oder Rentner allein in der Freizeit machen?
Alles, was in Gruppen stattfindet, ist für Alleinstehende ein Gewinn: Kurse, Chöre, Wandervereine, offene Sportgruppen von Pro Senectute, Gruppenreisen und Freiwilligeneinsätze. Dort trifft man jede Woche dieselben Menschen, und daraus entstehen Freundschaften fast von allein.
Wie lange reicht das Ersparte im Ruhestand?
Das hängt von AHV, Pensionskasse, Wohnsituation und Lebensstil ab und lässt sich nicht pauschal sagen. Eine Pensionierungsberatung bei der Pensionskasse, der Bank oder Pro Senectute rechnet das mit Ihren eigenen Zahlen durch. Wer knapp ist, sollte zudem prüfen, ob ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen besteht.
Welche Ideen gibt es für eine Pensionierungsfeier?
Beliebt sind ein Apéro mit dem bisherigen Team, ein Ausflug auf einen Hausberg oder eine Schifffahrt mit Familie und Freunden. Schön ist, die Feier mit dem Neuen zu verbinden: ein Kursgutschein, eine erste gemeinsame Wanderung, eine Reise, die man sich lange gewünscht hat.
Wann sollte man mit der Vorbereitung auf die Pensionierung beginnen?
Für die Finanzen lohnen sich einige Jahre Vorlauf. Für die Freizeit reicht oft das letzte Arbeitsjahr: Schauen Sie sich Kurse, Vereine und Freiwilligeneinsätze schon vorher an, dann fällt der Einstieg nach dem letzten Arbeitstag leichter.
Ist man mit über 60 zu alt für eine neue Beziehung?
Nein. Viele Menschen verlieben sich nach der Pensionierung neu, gerade weil sie endlich Zeit haben. Ob über einen Verein, Bekannte oder eine Partnerbörse für Ältere: Wichtig ist, sich zu öffnen und den ersten Schritt zu wagen.
